Lavendel - die Heilpflanze des Jahres 2008 

 Von Volker Struß


Aus dem westlichen Mitttelmeerraum


Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) ist eine der Pflanzen, die wir unmittelbar mit der Mittelmeerflora assoziieren. Dennoch ist er in der Bibel nicht erwähnt und dürfte den dortigen Menschen auch nicht  bekannt gewesen sein, da das natürliche Vorkommen auf den westlichen Mittelmeerraum beschränkt ist, wohin das alte Israel kaum Handelsbeziehungen unterhielt. Zwar sind einige der 39 Lavendelarten in Israel verbreitet, diese haben aber keinen Wert als Heil- oder Duftpflanze, mit Ausnahme des Schopflavendels (Lavandula stoechas), der im antiken Griechenland als Badezusatz hochgeschätzt war.  


Lavendel vom Mittelalter bis heute 


Wiewohl der echte Lavendel in vielen mitteleuropäischen Klöstern mindestens seit dem frühen Mittelalter als Gewürz und Heilpflanze gebräuchlich war, finden wir hier seine erste schriftliche Erwähnung bei Hildegard von Bingen (1098 – 1179). Sie empfiehlt mit Lavendel versetzten Wein als Leberstärkungsmittel. Spätere Quellen sprechen Lavendel eine heilende Wirkung für alle inneren Organe zu, und er galt im 16. und 17. Jahrhundert als Mittel gegen die Pest. Heute wird Lavendel wegen seiner beruhigenden Wirkung auf Nerven, Herz und Kreislauf eingesetzt und bei Migräne angewendet. Auch in der Aromatherapie hat Lavendel seinen festen Platz.

Im Garten pflanzen wir gerne Lavendel ins Rosenbeet, da die starken ätherischen Öle sich günstig auf die Schädlingsabwehr der Rosen auswirken. Auch hält uns das Lavendelsträußchen im Wäscheschrank die Kleidermotten fern.
Im Gegensatz zu vielen Pflanzen der mitteleuropäischen Flora und der Klostergärten findet sich Lavendel weder in den pflanzlichen Dekorationen gotischer Kirchen noch in der sakralen Tafelmalerei wieder. Der Grund hierfür könnte in der „kleinen Eiszeit“ liegen: Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kühlte sich das Klima stark ab, was zu einem Rückgang des besonders gegen Kahlfrost empfindlichen Lavendels in Mitteleuropa führte.

Neben seinem Nutzen als Küchengewürz (hauptsächlich der Provencalischen), hat der Lavendel seine größte Bedeutung als Parfümpflanze. Er wird im großen Stil in  Spanien, Groß-Britannien, den USA und Neuseeland angebaut, seit den 1920-er Jahren hat sich die Provence als bedeutendster  Produzent des Lavendelöls etabliert. Die hier kultivierten Sorten gehören zu Lavandula x intermedia. Es sind Hybriden zwischen echtem Lavendel und großem Speik (Lavandula latifolia). Letzterer erhöht durch seine Einkreuzung die Wüchsigkeit und den Ertrag, da er besonders lange Blütenstände hat.

 

Lavendel im Bibelgarten - doch berechtigt? 


Von Katrin Stückrath

Auffälligerweise findet man bei dem Botaniker Michael Zohary (Pflanzen der Bibel, 1986, S. 205) den Artikel zu Narde mit dem Doppeltitel „Narde / Lavendelöl“ versehen. Text und Abbildung beziehen sich aber eindeutig auf die aus dem Himalaya stammende Narde (Nardostachys jatamansi), nicht auf den Lavendel.

Vermutlich hat Zohary die doppelte Überschrift gewählt, weil Lavendelöl in der Alltagssprache auch als Nardenöl oder Spiköl bezeichnet wird (z.B. im Lexikon der Biologie, Bd. 6, 1986, S. 112). Schon seit vielen Jahrhunderten gibt es mit den Bezeichnungen der Öle von Nardostachys jatamansi (Narde), von Lavandula latifolia (Großer Speik) und Valeriana celtica (Echter Speik) Verwirrung.
Außerdem gibt es Argumente, dass mit der Pflanze in Mk 14,3 (die Salbung Jesu durch eine Frau in Bethanien) tatsächlich Lavendel und nicht die Narde gemeint gewesen sein könnte (vgl. Genaust, Etymologisches Wörterbuch, 1996, S. 410f). Denn sowohl die griechische Bezeichnung nardostachys wie die lateinische nardus spicatus enthalten den Hinweis auf das „Ährenförmige“ der Pflanze (lat. spica = Ähre, davon Speik). Die aus dem Himalaya stammende Narde (Nardostachys jatamansi) weist aber kein ährenartiges Aussehen auf, die Blüte des Lavendel hingegen schon. Es könnte also gewesen sein, dass Jesus in Bethanien mit Öl von Lavandula angustifolia gesalbt wurde. Ob Lavendel oder Narde, in jedem Fall hat es sich um ein nach Palästina importiertes und daher sehr wertvolles Öl gehandelt.

Anmerkung: In den Kosmetik-Produkten der Marke „Speick“ sind Lavandula angustifolia und Valeriana celtica enthalten, außerdem Salvia officinalis (Salbei).